Hiltrud Hense
Mein Name ist Hiltrud Hense. Ich biete in meiner nebenberuflichen, mobilen Praxis Akupunktur für Pferde und Hunde am Niederrhein an.
Hauptberuflich bin ich Ingenieurin der Lebensmittelchemie. Dieser Hintergrund prägt, wie ich an Dinge herangehe: Ich will verstehen, wie etwas zusammenhängt, bevor ich es anwende.
Die Frage „Warum macht er/sie das?“ stelle ich, seit ich denken kann, wenn ich ein Tier beobachte. Nicht „Wie bekomme ich das weg?“, sondern „Was will mir das Tier zeigen?“ Dieser Blick auf das Tier als Ganzes – als Persönlichkeit mit Körper, Geschichte und Verhalten – ist der Kern meiner Arbeit.
Meine Aus- und Fortbildungen
Tiergesundheit ist ein sensibles Feld. Deshalb ist mir wichtig, transparent zu machen, worauf meine Arbeit fachlich beruht:
Ausbildung
- 2022: Akupunktur von Pferden und Hunden an der ATIGAO Akademie, Dr. Jean-Yves Guray
Fortbildungen
- seit 2020: Kurse zur Schmerzwissenschaft und Bewegungsmotivation von Pferden, bei Kathy Sierra, USA
- 2023: Kurs Osteo-Aku-Therapeut nach Dr. Guray, ATIGAO Akademie
- 2024/2025: Kurs „Mikrobiomfreundliche Pferdeernährung“ bei Equiflora, Michelle Dargatz
- 2026: Seminarreihe Jin Ye: Flüssige Körpersubstanzen in der TCVM, ATIGAO Akademie
Jim, mein Pferd und unsere Geschichte
Vor ca. 20 Jahren lernten Jim und ich uns kennen. Der Wanderreitbetrieb, in dem er war, suchte eine Reitbeteiligung für ihn. Er ist ein töltender Traber und seine starke Töltveranlagung war ein Bonus für den Betrieb und die Gäste, die ihn reiten durften. Ich bin dem Betrieb sehr dankbar für die gute Ausbildung zum Geländepferd. Jim war und ist in meinen Augen der weltbeste Traber überhaupt.
Als ich Jim kennenlernte, hatte er Angst vor Menschen und Pferden und ein paar Verhaltensauffälligkeiten. Wenn er zum Reiten genutzt werden sollte, wurde er zum Einfangen mit mehreren Leuten in die Ecke getrieben. Seine Augen blickten in Leere, sie waren wie ausgeschaltet. Er war so bereits in den Wanderreitbetrieb eingezogen, wir vermuten, er hat das Trabrenntraining nicht verkraftet.
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Mit all meinem damaligen Wissen und Gefühl habe ich versucht, ihn wieder zu wecken. Dabei habe ich tatsächlich die Sohlen eines Paar Schuhe durchgelaufen beim Immer-wieder-auf-der-Weide-hinter-Jim-her-Schlendern. Dann kam die Phase, wo er beim Training entweder verweigerte oder die schnellere Gangart nahm. Meist wurde er schneller – sehr schnell -, wenn er etwas nicht verstand. Da ich auf keinen Fall zu dem Zustand zurück wollte, in dem er war, als ich ihn kennenlernte, habe ich immer gelobt, wenn er zu etwas eine Meinung äußerte. Ihr könnt euch vorstellen, dass das das Training schwieriger machte. Gleichzeitig merkte ich, wie er sich mir zuwendete und gerne mit mir zusammen war. Das war ein wunderbares Gefühl.
Und er war phantastisch zu reiten, nicht nur im Gelände. Er ist so sensibel, dass das Denken an die Hilfen ausreichte. Hatte ich gesagt, was für ein tolles Pferd er ist?
Ich habe mich immer gefragt, warum er bei manchen Reitstunden sehr motiviert, fast begeistert war und warum er ein anderes Mal nicht aufgesattelt werden wollte oder nicht auf den Reitplatz wollte. Warum er manchmal kopflos die schnelle Gangart nahm oder gar nichts machen wollte. Zum Glück hatten wir einige gute Reitlehrerinnen. Nur meine Fragen nach Warum und Motivation konnten wir nicht vollständig beantworten. Je mehr ich über Pferde lernte, desto mehr konnte ich sehen, wie häufig ihm etwas nicht gefiel. Ich ging immer noch davon aus, dass es ein Pferdetraining geben müsse, das dem Pferd genauso viel Spaß macht wie der Reiterin.
Auch war Jim viel krank. Hauterkrankungen, Weideunfälle, Klinikaufenthalte, Kreuzverschlag, COPD. Und das Wieder-Antrainieren war immer begleitet von der Frage, ob ich zu viel fordere oder zu wenig.
Vor ca. 7 Jahren sah ich im Internet die Kurse von Kathy Sierra. Ihr Fokus liegt darauf, die neuesten Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft, Schmerzforschung und Motorik auf die Bewegung von Mensch und Pferd anzuwenden. Ihre strikte wissenschaftliche Herangehensweise und die Diskussion von Forschungsergebnissen bieten die Hintergründe und Klarheit, die ich mir gewünscht hatte. Die Beschreibung der biochemischen Abläufe, die bei Motivation im Gehirn passieren, lassen in meinem Chemikerinnen-Gehirn Bilder entstehen, die ich verstehe. Und ich habe sehr viele Antworten auf meine „Und-warum?“-Fragen bekommen.
Jim war damals als Reitpferd in Rente. Wir haben unser Bodentraining anhand des neu Gelernten umgestaltet. Ehrlich gesagt, war das für mich nicht einfach, aber Jim war begeistert.
Inzwischen sind sein Körper und sein Gehirn älter geworden, das Versammeln, Gewicht auf die Hinterhand verschieben, Rücken hochwölben fallen ihm schwerer. Das, was ich in den Kursen gelernt habe, hilft mir, zu verstehen und ihn (und mich) immer wieder in die Bewegung zu bringen. Inzwischen nennen wir unser Training „Seniorengymnastik“ und machen nur noch sehr kurze Übungen – je nach Lust und Laune an dem jeweiligen Tag.
Jim ist jetzt (2026) 30 Jahre alt – und für mich immer noch mit Abstand der beste Traber der Welt. Es ist ein Genuss, von ihm zu lernen.